Persönliche Erfahrung

Meine Geschichte mit Hallux rigidus

Portrait des Autors

Wie aus scheinbar harmlosen Schmerzen die Diagnose Hallux rigidus wurde, warum ich mich mit der Aussicht auf eine Gelenkversteifung nicht abfinden wollte und schließlich eine eigene Manschette entwickelte.

Mit 30 Jahren fing es an

Ich war 30 Jahre alt, als ich zum ersten Mal bemerkte, dass mit meinem Fuß etwas nicht stimmte.

Vor allem nach längeren Spaziergängen schmerzte mein Großzehengrundgelenk. Anfangs machte ich mir darüber keine großen Gedanken. Doch die Beschwerden blieben.

Eine Ärztin ließ meinen Fuß röntgen. Das Ergebnis: nichts. Das Gelenk sah unauffällig aus. Sie sprach von möglichen „Phantomschmerzen“ und empfahl mir Schmerzmittel.

Röntgenbild des linken Fußes vom 22. November 2017
Röntgenbild von meinem linken Fuß vom 22.11.2017

Ich ging ohne Diagnose nach Hause.

Einige Zeit später wurde ein MRT gemacht. Wieder ohne Ergebnis. Ich bekam orthopädische Einlagen verschrieben, die jedoch keine spürbare Verbesserung brachten.

Die Schmerzen schwankten. Es gab bessere und schlechtere Tage. So vergingen mehrere Jahre, ohne dass ich wusste, was eigentlich mit meinem Gelenk los war.

2021 bekam das Problem endlich einen Namen

2021 suchte ich erneut einen Arzt auf. Inzwischen schmerzte mein Gelenk nicht mehr nur nach längeren Belastungen, sondern zunehmend auch beim normalen Gehen.

Wieder wurde mein Fuß geröntgt.

Röntgenbild des linken Fußes vom 23. September 2021
Röntgenbild von meinem linken Fuß vom 23.9.2021

Diesmal war etwas zu erkennen: Der Gelenkspalt hatte sich verschmälert und es hatten sich knöcherne Anbauten (Osteophyten) gebildet.

Die Diagnose: Hallux rigidus. Arthrose im Großzehengrundgelenk.

Endlich wusste ich, woher meine Schmerzen kamen.

Auf meine Frage nach Behandlungsmöglichkeiten empfahl mir der Arzt Einlagen und Schmerzmittel. Beides kannte ich bereits.

Als ich nach weiteren Optionen fragte, erklärte er mir, dass bei einer entsprechenden Verschlechterung irgendwann eine Versteifung des Großzehengrundgelenks infrage kommen könne.

Ich war Mitte 30 und sportlich aktiv. Die Vorstellung, möglicherweise schon bald ein dauerhaft unbewegliches Großzehengrundgelenk zu haben, machte mir große Sorgen.

Ich weiß noch genau, welcher Gedanke mir damals durch den Kopf ging:

Wenn das so weitergeht, habe ich vielleicht noch vor meinem 40. Geburtstag ein versteiftes Großzehengrundgelenk.

Damit wollte ich mich nicht abfinden.

Meine Suche nach einer Alternative

Ich begann, mich intensiv mit Hallux rigidus und Arthrose zu beschäftigen. Ich recherchierte konservative Behandlungsmöglichkeiten, Operationen und orthopädische Hilfsmittel.

Für Hallux valgus fand ich zahlreiche Schienen und Orthesen. Für Hallux rigidus dagegen nur wenige Hilfsmittel und keines, das mir ausreichend half.

Irgendwann stieß ich auf wissenschaftliche Arbeiten der Universität Utrecht zur Gelenkdistraktion bei Kniearthrose.

Bei dieser Behandlung wird das Kniegelenk mithilfe von Fixateuren über einen längeren Zeitraum mechanisch auseinandergezogen. Die veröffentlichten Ergebnisse fand ich bemerkenswert. Viele Patienten hatten von der Behandlung profitiert. Untersuchungen lieferten außerdem Hinweise auf positive Veränderungen am Knorpel.

Natürlich ist ein Knie etwas völlig anderes als ein Großzehengrundgelenk.

Trotzdem ließ mich eine Frage nicht mehr los:

Wenn Gelenkdistraktion bei einem arthrotischen Kniegelenk helfen kann, könnte dieses Prinzip vielleicht auch beim Großzehengrundgelenk funktionieren? Und das möglicherweise ohne eine invasive Operation?

Ich beschloss, es selbst auszuprobieren.

Meine ersten Experimente in der Garage

Meine ersten Versuche waren ziemlich improvisiert.

Ich baute mir in meiner Garage eine Art kleine Streckbank, mit der ich versuchte, mein Großzehengrundgelenk auseinanderzuziehen.

Ich experimentierte mit verschiedenen Materialien und Zugkräften. Daraus entstand nach und nach eine Konstruktion, die immer mehr einer Orthese ähnelte.

Ich begann, sie täglich ungefähr ein bis zwei Stunden zu tragen.

Nach etwa zwei bis drei Wochen hatte ich erstmals das Gefühl, dass die Schmerzen etwas geringer wurden.

Aber ich traute dem Ganzen nicht.

Ich kannte das Auf und Ab meiner Beschwerden seit Jahren und wollte nicht zu viel hineininterpretieren.

Also machte ich einfach weiter.

Eine Golfrunde, die ich bis heute nicht vergessen habe

Etwa fünf Monate nach Beginn meiner Experimente spielte ich wieder eine Runde Golf.

Golf war eine der Belastungen, nach denen ich mein Gelenk normalerweise besonders deutlich spürte.

Ich spielte meine Runde, kam nach Hause und irgendwann fiel mir etwas auf.

Mein Gelenk tat nicht weh.

Normalerweise hatte ich gerade nach solchen Belastungen deutlich spürbare Beschwerden. Dieses Mal hatte ich keine Ruheschmerzen.

Auch beim normalen Gehen hatte ich inzwischen weniger Schmerzen. Das Abrollen fühlte sich besser an und Beschwerden nach längeren Belastungen traten immer seltener auf.

Was als improvisiertes Experiment in meiner Garage begonnen hatte, schien sich zu einem Wendepunkt in meiner Leidensgeschichte zu entwickeln.

Könnte das auch anderen helfen?

Ich verwendete meine selbst gebaute Orthese weiter und meine Beschwerden wurden mit der Zeit immer geringer.

Irgendwann stellte ich mir eine Frage:

Wenn mir diese Form der Distraktion geholfen hat, könnte sie vielleicht auch anderen Menschen mit Hallux rigidus helfen?

Meine Konstruktion war allerdings eine improvisierte Eigenbaulösung. Außerdem war ich beruflich stark eingespannt.

Also blieb die Idee zunächst liegen.

Ganz verschwunden ist sie allerdings nie.

September 2024: Was war aus meinem Gelenk geworden?

Nachdem sich meine Beschwerden deutlich verbessert hatten, wollte ich wissen, ob sich möglicherweise auch auf einem Röntgenbild etwas erkennen lassen würde.

Ende September 2024 ließ ich meinen Fuß erneut röntgen.

Röntgenbild des Fußes aus dem Jahr 2024
Röntgenbild 20172017
Röntgenbild 20212021
Röntgenbild 20242024

Beim Vergleich mit den früheren Aufnahmen fiel mir auf:

Eine offensichtliche weitere Verschmälerung des Gelenkspalts war nicht zu erkennen. Wenn überhaupt, entstand sogar der Eindruck, dass der Gelenkspalt etwas größer sein könnte.

Allerdings muss man berücksichtigen, dass die Aufnahmewinkel der gezeigten Röntgenbilder nicht identisch sind. Ein verlässlicher quantitativer Vergleich des Gelenkspalts ist daher nicht möglich.

Bemerkenswert war für mich dennoch, dass meine Orthopädin auf der neueren Aufnahme nach eigener Aussage keine Arthrose erkennen konnte.

Aus meiner Eigenbaulösung entsteht eine Manschette

2025 war ich weitgehend schmerzfrei. Nur gelegentlich machte sich mein Gelenk noch bemerkbar, beispielsweise nach längerem Tragen enger Schuhe.

Meine selbst gebaute Orthese verwendete ich inzwischen nur noch selten.

Eigentlich hätte meine Geschichte hier enden können.

Doch der Gedanke, dass möglicherweise auch andere Betroffene von diesem Ansatz profitieren könnten, ließ mich nicht los.

Ich begann, meine Konstruktion weiterzuentwickeln. Ich baute Prototypen, testete verschiedene Mechanismen und verwarf immer wieder Lösungen.

Mein Ziel war eine funktionale und einfach anzuwendende Manschette.

Ende 2025 reichte ich eine Patentanmeldung ein.

Und heute?

Heute bin ich dabei, aus dieser Idee ein professionelles, marktfähiges Medizinprodukt zu entwickeln.

Bis dahin liegt noch einiges vor mir. Dazu gehören die weitere Produktentwicklung, die klinische Bewertung und die regulatorischen Anforderungen, die vor einer Markteinführung erfüllt werden müssen.

Mein Ziel ist es, herauszufinden, welches Potenzial in diesem Ansatz wirklich steckt. Wenn die Manschette auch anderen Menschen dabei helfen kann, ihre Beschwerden zu reduzieren und ihre Beweglichkeit zu verbessern, wäre aus meiner eigenen Suche nach einer Lösung etwas entstanden, das weit über meine persönliche Geschichte hinausgeht.

Bis dahin gibt es noch viel zu lernen, zu testen und weiterzuentwickeln.

Über mich und Disclaimer

Schon seit jungen Jahren interessiere ich mich für den menschlichen Körper und insbesondere dafür, wie man ihn unterstützen kann, wenn etwas nicht mehr so funktioniert, wie es sollte.

Meine Zeit als Jugendlicher und junger Erwachsener war sehr vom Hochleistungssport geprägt. Dabei blieb die eine oder andere Verletzung nicht aus. Diese Erfahrungen haben mich gelehrt, dass es sich manchmal lohnt, etwas tiefer zu graben, Dinge zu hinterfragen und nach Lösungen zu suchen, die über die üblichen Empfehlungen hinausgehen.

Ich habe vieles selbst ausprobiert. Manches hat nicht funktioniert, anderes wiederum deutlich besser, als ich zunächst erwartet hatte.

Durch meine eigene Erkrankung und die intensive Beschäftigung mit dem Thema Hallux rigidus habe ich mir über die Jahre ein umfangreiches Wissen angeeignet. Trotzdem lerne ich immer noch dazu und bin überzeugt, dass es auf diesem Gebiet noch vieles zu entdecken gibt.

Eines ist mir dabei besonders wichtig: Ich bin Ingenieur und Unternehmer, aber kein Arzt.

Die Inhalte dieser Website beruhen zum Teil auf meinen persönlichen Erfahrungen, eigenen Überlegungen und Einschätzungen. Auch wenn ich mich intensiv mit Hallux rigidus beschäftigt habe, erhebe ich keinen Anspruch darauf, medizinischer Experte zu sein oder auf alle Fragen eine Antwort zu haben.

Ich möchte mit dieser Website mein Wissen und meine Erfahrungen teilen, Denkanstöße geben und Menschen dazu ermutigen, sich mit ihrer Erkrankung auseinanderzusetzen.

Medizinischer Hinweis: Die Informationen auf dieser Website dienen der allgemeinen Information und stellen keine individuelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlungsempfehlung dar. Sie ersetzen nicht die Untersuchung und Beratung durch einen qualifizierten Arzt. Insbesondere sollten medizinische Behandlungen nicht ohne ärztliche Rücksprache begonnen, verändert oder abgebrochen werden.