Grundlagen

Was ist Hallux rigidus?

Hallux rigidus bezeichnet die Arthrose des Großzehengrundgelenks, bei der es typischerweise zu Schmerzen und einer zunehmenden Einschränkung der Beweglichkeit kommt. „Steif” bedeutet dabei nicht, dass das Gelenk zwingend vollständig steif ist. Gerade in frühen Stadien kann noch relativ viel Beweglichkeit vorhanden sein.

Namensherkunft

  • Hallux = große Zehe
  • rigidus = steif/starr

Typische Symptome

  • Schmerzen im Großzehengrundgelenk, besonders beim Gehen oder Abrollen des Fußes
  • Schmerzen nach der Belastung, zb. nach längeren Spaziergängen
  • Eingeschränkte Beweglichkeit der Großzehe, vor allem beim Anheben
  • Schwellung, Rötung und Druckempfindlichkeit auf der Oberseite des Großzehengrundgelenks
  • Knochenanbauten (Knochensporne, medizinisch: Osteophyten), die als harte Vorwölbung auf dem Fußrücken tastbar sein können

Ursachen

  • Gelenkverschleiß
  • Frühere Verletzungen der Großzehe
  • Fehlstellungen oder ungünstige Fußmechanik und dadurch Fehlbelastung des Großzehengrundgelenks

Wie wird Hallux rigidus diagnostiziert?

Die Diagnose eines Hallux rigidus ergibt sich meist aus den Beschwerden, der Untersuchung des Fußes und einem Röntgenbild.

Untersuchung des Gelenks

Bei der körperlichen Untersuchung wird unter anderem geprüft, wie weit sich die Großzehe bewegen lässt und bei welchen Bewegungen Schmerzen auftreten. Ein gesundes Großzehengrundgelenk lässt sich typischerweise 60-90 Grad nach oben bewegen (Dorsalextension). Bei einem Hallux rigidus ist diese Beweglichkeit häufig eingeschränkt bzw. schmerzhaft.

Auch Druckempfindlichkeit, Schwellungen oder knöcherne Verdickungen auf der Oberseite des Großzehengrundgelenks können Hinweise auf einen Hallux rigidus geben.

Röntgenbild

Ein Röntgenbild kann zeigen, ob und wie stark das Großzehengrundgelenk durch Arthrose verändert ist. Typische Veränderungen sind:

  • eine Verschmälerung des Gelenkspalts
  • knöcherne Anbauten auch als Knochensporne oder Osteophyten bezeichnet
  • subchondrale Sklerose (Verdichtung des Knochens unterhalb des Knorpels)
Röntgenbild eines Fußes mit markierten Veränderungen am Großzehengrundgelenk

Röntgenbild und Schmerzen passen nicht immer zusammen

Wie stark die Arthrose auf dem Röntgenbild aussieht, sagt nicht aus, wie stark die Beschwerden sind. Manche Menschen haben deutliche Veränderungen und vergleichsweise wenig Schmerzen, während andere bereits bei geringeren Veränderungen starke Beschwerden haben.

Es kommt ebenfalls vor, dass man sich in einem frühen Stadium eines Hallux rigidus befindet, Schmerzen hat, aber auf dem Röntgenbild noch keinerlei Anzeichen einer Arthrose zu erkennen sind.

Quellen:

¹ Hallux Rigidus Grade Does Not Correlate With Foot and Ankle Ability Measure Score. Journal of the American Academy of Orthopaedic Surgeons, 2017.

² Hallux limitus and hallux rigidus: Clinical examination, radiographic findings, and natural history. 1996.

Typischer Verlauf

Wie schnell sich die Erkrankung entwickelt, ist von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich. Manche haben über viele Jahre nur geringe Beschwerden und bleiben auf einem aushaltbaren Niveau, bei anderen verschlechtert sich die Beweglichkeit und der Schmerz innerhalb von wenigen Jahren deutlich.

Eine Langzeitstudie zeigte, dass die Schmerzen bei den meisten untersuchten Patienten über einen Zeitraum von durchschnittlich 14,4 Jahren weitgehend stabil blieben, obwohl sich die arthrotischen Veränderungen im Röntgenbild teilweise deutlich verschlechterten.¹

Auch ist es möglich, dass man bereits Schmerzen im Großzehengrundgelenk hat, jedoch auf dem Röntgenbild erst Jahre später erste Veränderungen sichtbar werden. Das war bei mir persönlich zum Beispiel der Fall (siehe: Meine persönliche Geschichte).

Quelle: ¹ Smith RW, Katchis SD, Ayson LC (2000). Outcomes in Hallux Rigidus Patients Treated Nonoperatively: A Long-Term Follow-Up Study. Foot & Ankle International, 21(11), 906–913.

Wie häufig ist die Erkrankung?

Etwa jeder vierte über 50-Jährige weist im Röntgenbild Anzeichen eines Hallux rigidus auf. Allerdings entwickelt nur ein Teil der Betroffenen tatsächliche Beschwerden.

Die Häufigkeit steigt mit dem Alter und Frauen sind etwas häufiger betroffen als Männer.

Quelle: https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC8439031/

Wann sollte man zum Arzt?

Schmerzen im Großzehengrundgelenk sollten insbesondere dann ärztlich abgeklärt werden, wenn sie neu auftreten, über längere Zeit bestehen oder deutlich zunehmen. Je früher man eine Diagnose hat, desto eher kann man mit geeigneten Maßnahmen entgegenwirken.

Beschwerden können auch andere Ursachen als Hallux rigidus haben.

Weitere Ursachen von Schmerzen im Großzehengelenk

Hallux valgus

Hallux valgus: Fehlstellung der Großzehe, wird umgangssprachlich häufig auch als „Ballenzeh” bezeichnet. Dabei weicht die Großzehe zunehmend in Richtung der anderen Zehen ab. Gleichzeitig tritt das Köpfchen des ersten Mittelfußknochens an der Innenseite des Fußes hervor, wodurch der charakteristische Ballen entsteht.

Dieser Ballen kann insbesondere in engem Schuhwerk zu Druckstellen, Reizungen und Schmerzen führen. Bei stärker ausgeprägten Fehlstellungen kann die Großzehe zudem die benachbarten Zehen verdrängen oder sich über beziehungsweise unter diese schieben.

Obwohl Hallux valgus und Hallux rigidus aufgrund ihrer ähnlichen Bezeichnungen leicht verwechselt werden, handelt es sich um unterschiedliche Erkrankungen. Beim Hallux valgus steht die Fehlstellung der Großzehe im Vordergrund, beim Hallux rigidus die Arthrose des Großzehengrundgelenks und die damit verbundene Einschränkung der Beweglichkeit.

Beide Erkrankungen können jedoch auch gemeinsam auftreten. Anatomischen Veranlagungen scheinen eine Rolle zu spielen, aber ich glaube, dass der Hallux Valgus hauptsächlich durch das Tragen von zu engem und hochhackigem Schuhwerk verursacht wird.

Gicht

Gicht: Entzündliche Gelenkerkrankung, bei der sich Harnsäurekristalle in Gelenken ablagern können. Typisch ist ein plötzlich auftretender Gichtanfall mit starken Schmerzen, Rötung, Wärme und Schwellung. Besonders häufig ist das Grundgelenk des großen Zehs betroffen.

Ursache ist ein erhöhter Harnsäurespiegel, der unter anderem durch genetische Faktoren, eine verminderte Ausscheidung über die Nieren, Medikamente, Alkohol oder Ernährung begünstigt werden kann. Gicht lässt sich in der Regel gut behandeln.

Sesamoiditis

Sesamoiditis: Reizung oder Entzündung im Bereich der kleinen Sesambeine unter dem Großzehengrundgelenk. Im Gegensatz zum Hallux rigidus liegt die Ursache nicht primär in einer Arthrose des Gelenks. Typisch sind Schmerzen unter dem Großzehenballen, besonders bei Druck und Belastung.