Behandlungsansatz

Gelenkdistraktion

Gelenkdistraktion bezeichnet die Entlastung eines Gelenks durch eine Zugkraft, durch die die beiden Gelenkflächen leicht voneinander entfernt werden.

Was weiß man aus der Forschung?

Besonders intensiv wurde Gelenkdistraktion von Forschern der Uni Utrecht bei Kniearthrose untersucht. Bei der sogenannten Knee Joint Distraction wird das Knie mithilfe eines äußeren Fixationssystems für mehrere Wochen leicht auseinandergezogen und dadurch mechanisch entlastet.

In verschiedenen Studien verbesserten sich Schmerzen und Gelenkfunktion. Gleichzeitig wurden strukturelle Veränderungen beobachtet, darunter eine Zunahme der Gelenkspaltbreite und der mittels MRT gemessenen Knorpeldicke. [1] [2]

Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass arthrotisch geschädigte Gelenke unter bestimmten Bedingungen möglicherweise ein größeres Reparaturpotenzial besitzen als lange angenommen.

Externer Fixateur zur Gelenkdistraktion am Knie

Gelenkdistraktion bei Hallux rigidus

Auch am Großzehengrundgelenk wurde Gelenkdistraktion bereits untersucht. Die US Amerikanischen Forscher Abraham, Hassani und Lamm untersuchten zehn Distraktionsbehandlungen bei neun Patienten mit fortgeschrittenem Hallux rigidus. Dabei wurde das Gelenk mithilfe eines operativ befestigten externen Fixateurs über mehrere Wochen distrahiert. [3]

Bei den Patienten mit verfügbaren Schmerzdaten sank der durchschnittliche Schmerzscore von 8,2 vor der Behandlung auf 0,83 danach. Während einer durchschnittlichen Nachbeobachtungszeit von 2,2 Jahren war kein weiterer operativer Eingriff am Großzehengrundgelenk notwendig. [3]

Die Untersuchung war zwar sehr klein und auch hier die Behandlung invasiv aber sie zeigte dass auch ein arthrosiertes Großzehengrundgelenk von dieser Therapieform profitieren kann.

Externer Fixateur am Großzehengrundgelenk Röntgenbild eines Fußes mit externem Fixateur

Gelenk(dis)traktion in der Physiotherapie

Auch in der Physiotherapie werden Techniken eingesetzt, die auf diesem Prinzip beruhen. Dabei wird das Großzehengrundgelenk manuell durch eine sanfte Zugbewegung mobilisiert und entlastet. Physiotherapeuten bezeichnen diese Technik als Gelenktraktion oder einfach nur Traktion.

Im Gegensatz zur Gelenkdistraktion mit einem externen Fixateur ist diese Behandlung zwar nicht invasiv aber erfolgt auch nur für einen vergleichsweise kurzen Zeitraum.

Der Flextrainer: Gelenkdistraktion bei Knie- und Hüftarthrose

Dass Gelenkdistraktion bereits auch außerhalb der operativen Medizin Anwendung findet, zeigt das Beispiel des Flextrainers.

Das Gerät wurde von Erwin Sturmair aus Österreich entwickelt. Er litt selbst unter Hüftarthrose und beschäftigte sich mit Möglichkeiten, seine Beschwerden durch mechanische Entlastung des Gelenks zu reduzieren. Aus seinen persönlichen Erfahrungen entstand schließlich der Flextrainer.

Das Funktionsprinzip ist genial und einfach zugleich: Über definierte Gewichte wird eine kontrollierte Zugkraft auf das Bein ausgeübt. Dadurch sollen die Gelenkflächen von Knie und Hüfte während der Anwendung mechanisch entlastet werden. Die Anwendung erfolgt passiv und kann zu Hause durchgeführt werden.

Der Flextrainer Single ist inzwischen ein CE-gekennzeichnetes Medizinprodukt der Klasse I.

Was sagen die bisherigen Untersuchungen?

In einer veröffentlichten Pilotstudie wurden 39 Personen mit Knie- oder Hüftarthrose zu ihren Erfahrungen mit dem Flextrainer befragt. Die durchschnittlich angegebene Schmerzintensität sank von 6,82 auf 3,28 Punkte auf einer Skala von 0 bis 10. Insgesamt berichteten 82 % der Befragten über eine Verbesserung ihrer Beschwerden.

Der Flextrainer zeigt, wie sich das Prinzip der Gelenkdistraktion auch für die selbstständige Anwendung zu Hause technisch umsetzen lässt.

Weitere Informationen zum Gerät und den bisherigen Untersuchungen finden Sie auf der Website des Herstellers.

Von der Gelenkdistraktion zur Manschette

Die Forschung zur Gelenkdistraktion und die Gelenktraktion aus der Physiotherapie zeigen, dass viele Betroffene davon profitieren. Erstere hat den Nachteil des invasiven Eingriffs und letztere die zu kurze Behandlungsdauer.

Genau hier setzt meine Manschette an. Die Idee besteht darin regelmäßig über 1-2 h täglich, eine sanfte und kontrollierte Zugkraft auf das Großzehengrundgelenk auszuüben, ohne dass dafür ein operativer Eingriff notwendig ist.

Die Manschette überträgt damit das Grundprinzip der Gelenkdistraktion auf eine nicht invasive Anwendung für den Alltag. Ich selbst habe mit meiner Manschette sehr positive Ergebnisse erzielen können und kann sagen, dass sich meine Beschwerden dank täglicher Nutzung innerhalb von Monaten auf ein Minimum reduziert haben.

Mehr dazu → Meine Geschichte

[1] Jansen MP et al. Knee Joint Distraction as Treatment for Osteoarthritis Results in Clinical and Structural Benefit: A Systematic Review and Meta-Analysis of the Limited Number of Studies and Patients Available. Cartilage. 2021;13(1 Suppl):1113S–1123S. DOI: 10.1177/1947603520942945

[2] Jansen MP, Mastbergen SC, MacKay JW, Turmezei TD, Lafeber FPJG. Knee joint distraction results in MRI cartilage thickness increase up to 10 years after treatment. Rheumatology. 2022;61(3):974–982. DOI: 10.1093/rheumatology/keab456

[3] Abraham JS, Hassani H, Lamm BM. Hinged External Fixation Distraction for Treatment of First Metatarsophalangeal Joint Arthritis. The Journal of Foot & Ankle Surgery. 2012;51(5):604–612. DOI: 10.1053/j.jfas.2012.04.022